Kinderkrankenhaus Weißensee steht vor dem Verkauf

Investoren sollen Ruine retten. Pankow droht schwerer Verlust
Berliner Morgenpost vom 05.04.2022 - Von Thomas Schubert 

Es galt als abgemacht: Mit der Ruine des Kinderkrankenhauses Weißensee sollte das Bezirksamt Pankow eines seiner dringlichsten Probleme lösen. Gerade hatte man den Plan für eine neue Gemeinschaftsschule auf dem Gelände in der stark wachsenden Schulregion mit einer Studie bestätigt, da droht der komplette Verlust des Grundstücks. Wie Pankows Baustadträtin Rona Tietje (SPD) nun mitteilt, soll ein Verkauf der Fläche mit dem verfallenen Denkmal eingeleitet worden sein.

Das Grundstück gehe nach einer Rückübertragung der Immobilie 2018 durch insolvente Investoren an das Land Berlin wohl wieder in die Vermarktung. Bei der Senatsfinanzverwaltung und dem Berliner Immobilienmanagement (BIM), das landeseigenen Besitz verwaltet, wolle man sich überraschend von dem Areal trennen, so Tietje. Bei einem Verkauf läge das Schicksal der früheren Klinik dann erneut in den Händen von Privatinvestoren.

Rad-Schnellweg entlang der A100: CDU will Verlängerung der Piste zur „Klima-Autobahn“ machen

Berliner-Kurier vom 03.04.2022 - Von /GL/dpa

Wie bestellt brach in Berlin bei Grünen, Linken und Teilen der SPD die Empörung los, als das FDP-geführte Bundesverkehrsministerium vergangene Woche.
Die Ausschreibung der Planung für eine weitere Verlängerung des Stadtrings A100 bekannt machte. Ein Vorstoß der Berliner CDU wird die Lage nicht beruhigen: Sie schlägt vor, den geplanten 17. Bauabschnitt von Treptow bis zur Storkower Straße in Lichtenberg zu einer „Klima-Autobahn“ zu machen.
Bei einer Klausur des Landesvorstands wurde der Begriff geprägt, hinter dem sich mehrere Ideen verbergen.
Was die CDU sich unter einer Klima-Autobahn vorstellt
Die CDU ist der Auffassung, dass die Verlängerung der A100 die Innenstadt von Durchgangsverkehr entlasten könne, weil er auf die Autobahn umgeleitet würde. Eine zusätzliche Umweltbelastung werde das nicht nach sich ziehen: „Zum Zeitpunkt der Fertigstellung werden vor allem Fahrzeuge mit klimaneutralen Antrieben und Treibstoffen die Stadtautobahn nutzen.“

Wie 4,1 Kilometer ganz Berlin spalten

Die Frage, ob die A100 zur Storkower Straße ausgebaut werden soll, bewegt Berlin. Nun ist die Diskussion neu entfacht.
Berliner Morgenpost vom 03.04.2022 - von B. Bath und J. Hanack

Die Neue Bahnhofstraße in Friedrichshain liegt mitten im Szene-Kiez. Wer die Dauerbaustelle Ostkreuz hinter sich lässt und Richtung Nordosten geht, passiert eine Reihe Altbauten, flaniert auf breiten Bürgersteigen an bunten Restaurants und Kneipen vorbei. Die Straße misst im Querschnitt vielleicht 15 Meter, zumindest bevor sie die Boxhagener Straße kreuzt, ist sie nicht allzu stark befahren. Die Vorstellung, dass unter ihrem Pflaster in Zukunft eine Autobahn verlaufen soll, ein unterirdischer Doppelstocktunnel mit je drei Fahrstreifen von rund 25 Metern Breite, erfordert vor allem eins: viel Fantasie.

Zankapfel Friedrichstraße

Bürgermeisterin Giffey schließt die Rückkehr von Autos nicht mehr aus, die Verkehrssenatorin ist strikt dagegen
Berliner Morgenpost vom 01.04.2022 - von Joachim Fahrun 

Der Zeitpunkt war etwas eigenwillig gewählt von Franziska Giffey. Am gleichen Tag, als die Sozialdemokratin später die 100-Tage-Bilanz ihres rot-grün-roten Senats vorstellen und dabei die Harmonie im Regierungsteam preisen wollte, positionierte sich die Regierende Bürgermeisterin in einer der wichtigsten verkehrs- und stadtentwicklungspolitischen Streitfrage der Stadt, nämlich zur Zukunft der Friedrichstraße . Dem Sender Spreeradio 105,5 sagte Giffey auf eine Hörer-Frage, das Projekt „autofreie Friedrichstraße “ habe bisher nicht geklappt. Sie sei „nicht zufrieden“, sagte Giffey. Sie höre auch von den Geschäftsleuten, dass sie weniger Kunden hätten. „Die Flaniermeile Friedrichstraße muss anders aussehen“, sagte Giffey. Die Straße müsste so gestaltet werden, dass sie „ansehnlich ist, ein lebenswerter Ort ist und dass Menschen dort angezogen werden.“ Giffey schloss nicht aus, dass die Autos auf die Friedrichstraße zurückkehren. „Ob da Autos fahren oder nicht, das muss man besprechen“, sagte sie.

Kein Spaziergang

Ein Teil der Friedrichstraße soll dauerhaft autofrei werden. Doch Anlieger halten dagegen – und erklären den Verkehrsversuch für gescheitert
Berliner Zeitung vom 01.04.2022 - von Peter Neumann

Die Bilanz ist niederschmetternd. „Immer mehr Ladenschließungen, Umsatzrückgänge, Besuchermangel, Trostlosigkeit, die Optik einer Dauerbaustelle und Berlins peinlichste Fahrradrennstrecke“: So charakterisiert ein Aktionsbündnis, das sich in Mitte gegründet hat, den eigenen Bereich – die Friedrichstraße. Als Ursache der Misere benennt es den Verkehrsversuch, der dazu geführt hat, dass auf einem Abschnitt seit anderthalb Jahren keine Autos mehr fahren dürfen. Jetzt verlangen die Bürger und Verbandsvertreter aus dem östlichen Stadtzentrum, die Versuchsanordnung wieder abzubauen.

„Das Aktionsbündnis fordert von der Berliner Politik den sofortigen Stopp des Verkehrsversuchs ‚Flaniermeile‘, gemeinsame Überlegungen für echte Alternativen und ein Verkehrs - und Tourismuskonzept für Gesamt-Mitte“, heißt es in einer Mitteilung. Das Konzept müsse den Lieferverkehr regeln und zeigen, wie künftig Autos, Taxis, Touristenbusse oder öffentliche Busse ohne endlose Staus durch Mitte kommen.