Ein Mauerpark für Mitte

Weniger Autos, Raum für Sport, Picknick und Demos: Die Pläne fürs Rathausforum stehen – Streit inklusive
Der Tagesspiegel vom 24.08.2021 von Ralf Schönball

Wenn Superlative für einen Ort angemessen sind, dann wohl für den Bereich zwischen Fernsehturm und Spree, Rotem Rathaus und Karl-Liebknecht-Straße: „Mehr Mitte geht ja gar nicht“, sagt Berlins Senator für Stadtentwicklung und Wohnen Sebastian Scheel (Linke). Und da zur Gestaltung dieses Zentrums vom Zentrum die Würfel gefallen sind, muss wohl von einem „Meilenstein“ gesprochen werden, wie Umwelt- und Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) sagte.

Gestaltung des historischen Zentrums : Berlin : Stadt ohne Mitte, sondern mit Bäumen

Eine Jury hat entschieden: Die Grünanlagen werden aufgewertet, Bebauung ist nicht vorgesehen. Berlins Geschichte liegt unter dem Rasen.
Berliner-Zeitung.de vom 24.08.2021

So soll das Spreeufer nach dem Siegerentwurf von RMP Stephan Lenzen aussehen.Die historische Berliner Mitte bleibt für die nächsten Jahrzehnte eine Grünanlage, wird jedoch gartengestalterisch aufgewertet. Aus einem Wettbewerb ging die in Köln/Bonn ansässige Firma RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten als Sieger unter 53 Einreichungen hervor. Die Leitidee ist ein zentrales Band, das die denkmalgeschützten Bereiche des Rathausforums mit dem des Marx-Engels-Forums verbindet. Das Band endet in einem Freitreppenbereich an der Spree direkt gegenüber der Ostfassade des Humboldt-Forums.

Wie die Grünen die Schneise lieben lernten

Der Wettbewerb für die Mühlendammbrücke in Berlin ist entschieden. Der Neubau ist so breit wie der Vorgänger, um des verkehrspolitischen Friedens willen - ein städtebauliches Desaster.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23.08.2021 von Hans Stimmann

Die Brückengeschichte Berlins beginnt mit einem Damm, der 1285 zum Betrieb einer Mühle zwischen den östlich der Spree gelegenen Siedlungen und Cölln gebaut wurde. Der Mühlendamm bot den Bewohnern der beiden Städte die Möglichkeit, die Spree trockenen Fußes zu überqueren, und regulierte über Jahrhunderte durch Stauanlagen, Schleusen und Mühlengerinne den Wasserstand der Spree. Erst nach 1889 erfolgte der Umbau des Damms zu einem regelrechten Brückensystem aus drei Brücken. An die lange Geschichte erinnert heute nur noch der Name Mühlendammbrücke. Er bezeichnet eine 1968 zu DDR-Zeiten fertiggestellte achtspurige Autobrücke, eine moderne Spannbetonkonstruktion.

Berlin genehmigt sich immer weniger Bau

Alarmierende Halbjahreszahlen: Investitionsklima und Verwaltungsdefizite treiben Stadtflucht an
Der Tagesspiegel vom 14.08.2021 von Reinhart Bünger

Die Zahl der Baugenehmigungen ist in Berlin im ersten Halbjahr gesunken, in Brandenburg dagegen gestiegen. So sollen in der Hauptstadt 9148 Wohnungen entstehen, was rund 29 Prozent weniger genehmigten Bauvorhaben als im Vorjahreszeitraum entspricht. Dies teilte das Amt für Statistik am Dienstag mit – der Tagesspiegel berichtete. In Brandenburg sollen 7260 neue Wohnungen entstehen. Das entspricht rund 19 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2020. Was ist nur in der Hauptstadt los, die seit Jahren einen Wohnungsmangel beklagt (einige sprechen sogar von einer Wohnungsnot, als seien die aktuellen Zeiten mit dem Mai 1945 zu vergleichen)? Fällt der Regierungsantritt von Rot-Rot-Grün gar nicht zufällig mit einer Rückgang der Fallzahlen zusammen? Oder gibt es nicht von Ideologie getriebene Gründe, die in Berlin weiterhin eine Unterversorgung mit bezahlbarem Wohnraum in den kommenden Jahren befürchten lassen? Oder sagen die Zahlen gar nichts aus? Nach dem Motto: Wenn denn keine Bauanträge gestellt werden, kann auch nichts genehmigt werden? Das Bild ist komplex, fast ein Rätsel. Es lässt sich aber auflösen:

Senat verwirft Pläne zum Umbau des Spittelmarkts

TAGESSPIEGEL vom 04.08.2021

Die Neue Gertraudenbrücke und die Spittelmarktbrücke in Mitte werden entgegen früheren Planungen nicht versetzt, sondern an ihrer bisherigen Stelle beim Ersatzneubau bleiben. Das hat der Senat am Dienstag auf Vorlage von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) entschieden. Damit macht der Senat den Weg frei für die Verlängerung der Straßenbahn vom Alexanderplatz zum Kulturforum und neue Rad- und Fußwege. Daneben soll die denkmalgeschützte Alte Gertraudenbrücke von 1895 als reine Fußgängerbrücke am historischen Standort saniert werden. Beide Brücken haben massive Mängel, die Verkehrslast musste eingeschränkt werden. Ende 2024 oder Anfang 2025 soll der Neubau starten und etwa 50 Millionen Euro kosten.