Pressestimmen
Klingbeils Wohnungstraum lenkt ab
FAZ vom 10.04.2026 von Jürgen Kelber
Die Politik reagiert auf ein bekanntes Versagen wieder mit einem vertrauten Reflex.
Der Vorstoß von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundesbauministerin Verena Hubertz (beide SPD)für eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft des Bundes soll Tatkraft ausstrahlen. Tatsächlich zeigt er vor allem, wie zuverlässig in Deutschland strukturelle Defizite nicht behoben, sondern mit dem Aufbau neuer Strukturen kaschiert werden sollen. Das produziert noch lange keine Wohnungen.
Der Bund ist kein guter Bauherr
FAZ 10.04.2026 von Julia Löhr
Seit rund 15 Jahren wird in Deutschland über Wohnungsmangel und steigende Mieten geklagt. Die Probleme konzentrieren sich auf die Großstädte und deren Umland. Ein Nischenphänomen sind sie gleichwohl nicht. Mehr als 70 Prozent der Menschen in Deutschland leben in diesen Regionen, und das überdurchschnittlich häufig zur Miete. Sobald sich Nachwuchs ankündigt, eine Eigenbedarfskündigung ins Haus flattert oder ein Stellenangebot in einer anderen Stadt lockt, wird die Krise auf dem Wohnungsmarkt zur persönlichen Existenzfrage: Wie findet man ein neues, bezahlbares Zuhause, wenn die Nachfrage nach Wohnraum so viel größer ist als das Angebot? Aktuell nur mit viel Glück und einer ausgeprägten Frustrationstoleranz.
Ein Architekt als Medienstratege - Otto Wagner und die Fotografie
Bauwelt vom 10.04.2026 von Bernhard Schulz
Bei umstrittenen Bauvorhaben wie dem Berliner „Museum der Moderne“ wird immer wieder gefordert, den Entwurf durch die Simulation zumindest eines Teils des geplanten Bauwerks im Maßstab 1:1 anschaulich zu machen. Abwegig ist dieses Ansinnen durchaus nicht. Es gibt einen historischen Präzedenzfall: den Entwurf für das Wiener Stadtmuseum am Karlsplatz.
Wollen wir in solchen Häusern wohnen?
Der „Bau-Turbo“ und eine Projektgesellschaft des Bundes sollen die Wohnungsnot lösen. Aber möchte man mehr von dem, was zurzeit geplant wird?
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.04.2026 von Niklas Maak
Es gibt sicherlich ein paar Menschen in diesem Land, die stolz von sich sagen können, dass sie ihr Gehalt in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt oder zumindest um fünfzig Prozent gesteigert haben. Eine Mehrheit ist diese Gruppe aber sicherlich nicht – und deswegen sind die Zahlen, die die Bundesregierung jetzt zum Anstieg der Mieten in Deutschland veröffentlicht, nicht weniger als das Porträt einer sozialen Katastrophe: In Berlin liegen die Angebotsmieten fast 70 Prozent höher als vor zehn Jahren, in Frankfurt, wo Normalverdiener schon 2016 kaum eine bezahlbare Wohnung fanden, sind es 40 Prozent, bundesweit liegt der Anstieg bei durchschnittlich 43 Prozent: Wer in München wohnen will, muss sich bei Neuvermietungen auf Durchschnittspreise von mehr als 21 Euro pro Quadratmeter einstellen.
Diese Stadt verfault, verrottet und verwest bei lebendigem Leib
Leben und Leiden in Berlin. Es wird mit jedem Tag grauenhafter
T-online vom 26.03.2026 von Christoph Schwennicke
Berlins Mythos wird immer noch besungen, sein herber Charme glorifiziert und verklärt. Seit einem halben Leben macht unser Kolumnist das nun schon mit. Und hat die Nase jetzt voll. Gestrichen voll.
