Berlins Träume die Luftschlösse blieben

Die B.Z. erklärt, warum der Berg auf dem Tempelhofer Feld oder das Riesenrad am Zoo nie Wirklichkeit wurden
BZ vom 15.12.2021 von Konstantin Marrach

Berlin, wie hättste dir verändern können …

Ein gigantischer Berg auf dem Tempelhofer Feld, ein Riesenrad am Zoo, eine Pyramide vor den Toren der Hauptstadt. Viele große und kuriose Visionen gab es in den letzten Jahren. Die B.Z. zeigt heute Berliner Träume und erklärt, warum sie Luftschlösser blieben.

DAS HÖCHSTE

Er hätte alles andere in unserer Stadt um Längen überragt: der Mount Tempelhof. Ein TU-Dozent hatte 2008 die kuriose Idee, auf dem Flughafengelände einen 1000 Meter hohen Berg mit Skipisten und Wanderrouten zu errichten. 1,5 Milliarden Kubikmeter Erde wären nötig gewesen. Bauzeit: 19 Jahre. Fazit: nicht bezahlbar.

Lebendiger Ort gesucht

Berlin und der Bund starten einen neuen Wettbewerb für den Luisenblock Ost. Zunächst wurden dazu die Bürger gehört
Beriliner Zeitung vom 15.12.2021 von Ulrich Paul

Berlin und der Bund unternehmen einen neuen Anlauf zur Gestaltung des Luisenblocks Ost im Parlaments- und Regierungsviertel. Nachdem es für die Realisierung des preisgekrönten, aber zugleich umstrittenen Entwurfs des Architekturbüros Kusus und Kusus keine politische Mehrheit gegeben hat, soll nun eine Planung auf den Weg gebracht werden, „die ein Höchstmaß an Konsens zwischen allen Beteiligten“ ermöglicht. Das jedenfalls kündigte Manfred Kühne, Leiter der Abteilung Städtebau und Projekte in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, am Montagabend zum Start der Öffentlichkeitsbeteiligung an.

Der Luisenblock Ost ist ein rund 46.000 Quadratmeter großes Areal zwischen Luisenstraße, Schiffbauerdamm und S-Bahntrasse. Dort stehen denkmalgeschützte Altbauten wie die frühere DDR-Generalstaatsanwaltschaft und nicht denkmalgeschützte Bauten wie ein von 1910 bis 1912 im neuklassizistischen Stil errichtetes Haus am Schiffbauerdamm 19, das der Gewerkschaft Verdi gehört. Große Teile des Areals sind unbebaut. Haupteigentümer der Flächen ist der Bund, der den Luisenblock Ost vornehmlich dazu nutzen will, um Büros und Konferenzräume für den Bundestag zu errichten.

Bauministerin Klara Geywitz im Interview : „Eine Enteignung schafft keine einzige neue Wohnung“

Tagesspiegel vom 11.12.2021 von Sabine Schicketanz und Hans Monath

Die neue Bundesbauministerin über den schlechten Ruf von Plattenbauten, neue Modelle für Eigentumsbildung und den Wahlerfolg der SPD im Osten.
Die Potsdamerin SPD-Politikerin Klara Geywitz ist seit wenigen Tagen Chefin des neu geschaffenen Bundesbauministeriums. Am Sonnabend wurde die 45-Jährige als stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD wiedergewählt. Mit Kanzler Olaf Scholz, der ebenfalls in Potsdam wohnt, ist sie befreundet.

Frau Geywitz, haben Sie selbst schon mal ein Haus gebaut?
Nein, selbst noch nicht. Am Baumhaus meiner Kinder habe ich mitgebaut.

Aber Sie haben sicher bei Verwandten oder Freunden erlebt, wie kompliziert dieser Prozess ist …

Ein letztes Filetstück

Mit dem ambitionierten Bauprojekt „Am Tacheles“ wird der schwierige Spagat zwischen Tradition und Moderne gewagt
Berliner Zeitung vom 11.12.2021 von Jörg Semsch

Auf einem der letzten großen Filetstücke in Berlins Mitte entsteht aktuell ein Bauprojekt der Superlative: Mit dem „Tacheles“ wird eine große städtebauliche Wunde der Nachkriegszeit geschlossen – und ein architektonisch ambitioniertes neues Wohn-, Büro- und Gewerbe-Quartier geschaffen, das sich an der Geschichte dieses Ortes orientiert: 1908 wurde an gleicher Stelle die Friedrichstraßenpassage eröffnet – eine luxuriöse Einkaufsmeile, die die Friedrichstraße mit der Oranienburger Straße verband. Doch die Passage stand von Beginn an unter keinem guten Stern: So kam es zu Pleiten und Umwidmungen, zu Schäden im zweiten Weltkrieg, zur Vernachlässigung während der DDR-Zeit und schließlich fast zum kompletten Abriss.

Erst eine Künstlerinitiative sicherte nach der Wende die letzten Relikte an der Oranienburger Straße und etablierte hier ein Kulturzentrum, das wie kaum ein anderes die Off-Szene im wiedervereinigten Berlin verkörperte. Damit war 2012 jedoch Schluss – das denkmalgeschützte Gebäude sowie die weitläufige Brache standen jahrelang als Spekulationsobjekt leer. Doch seit dem Neustart 2018 unter dem Projektentwickler pwr development wächst hier ein Gebäudeensemble in die Höhe, das spannende stadtplanerische Akzente setzt.

Rückkehr der Heiligen Gertraude zu ihrer Brücke in Mitte

Die Skulptur steht wieder am Spreekanal, aber auf Jahre nicht mehr auf, sondern neben der Brücke. Die muss erst saniert werden.
Berliner Zeitung vom 09.12.2021 von Gerhard Lehrtke

Im Schneegestöber ist sie zurückgekehrt: Die Skulptur der Heiligen Gertraude wurde (fast) an ihrem alten Standort aufgestellt, von dem sie 2017 verschwunden war. Jetzt ist sie geputzt, restauriert, mit schützendem Wachs überzogen und schön wie 1896, als sie auf die damals neue und jetzt alte Gertraudenbrücke gestellt worden war.

Der Restaurator Bernd M. Helmich hatte die Figur mit drei Kollegen seit März von bis zu drei Millimeter dicken Kalkablagerungen befreit, die bei Feuchtigkeit Korrosionsschäden an der Bronze verursachten. Er war fast ein wenig wehmütig, als er mit einem Kranführer und einer Mitarbeiterin die drei Tonnen schwere Skulptur auf einen Interims-Betonsockel neben der Brücke zirkelte.