Etliche Brücken sind in schlechtem Zustand. Oft muss ein vollständiger Ersatz her. Nun hat der Senat eine neue Liste vorgelegt. Die Bezirke sind unterschiedlich betroffen.
Tagesspiegel vom 16.01.2026 von Christian Latz
In Berlin müssen in den kommenden 15 Jahren ganze 175 Brücken abgerissen und neu errichtet werden. Das geht aus dem „Masterplan Brücken“ der Senatsverkehrsverwaltung hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Damit erhöht sich die Zahl der maroden Brücken in der Hauptstadt im Vergleich zu früheren Berichten nochmals deutlich. Zuvor war der Senat von rund 120 Brücken ausgegangen, die wegen ihres schlechten Zustands neu gebaut werden müssen.
Gemessen an allen 1047 Brücken und Teilbauwerken muss demnach jede sechste Brücke bis 2040 abgerissen werden. Entsprechend hoch fallen die Kosten aus. Auf insgesamt 1,6 Milliarden Euro beziffert die Senatsverkehrsverwaltung die nötigen Ausgaben. Dagegen sind nur noch 19 Prozent der Bauwerke in gutem bis sehr gutem Zustand. Allerdings fallen unter die aufgezählten Bauwerke auch Verkehrszeichenbrücken, an denen Schilder Autofahrern zeigen, in welche Richtung die jeweilige Spur führt. Die Zahl der begeh- und befahrbaren Brücken, die ersetzt werden müssen, liegt deshalb nur bei 154 Brücken.
Zudem erscheint die Zahl größer, als sie sich aus Sicht vieler Bürger letztlich in der Wahrnehmung darstellen dürfte. Denn viele Brücken bestehen aus mehreren Teilbauwerken. Im Dokument der Verwaltung sind diese alle einzeln aufgelistet. Allein auf die Märkische-Allee-Brücke entfallen dadurch acht einzelne Bauwerke, die ersetzt werden müssen und je einzeln gezählt werden.
Zu alt, zu wenig gepflegt
Als Ursachen für die großen Probleme nennt die Senatsverwaltung unter anderem das Alter der Brücken. Demnach sei viel zu lange zu wenig in die Sanierung der Bauwerke investiert worden. Das rächt sich nun. Hinzukommen Konstruktions- und Materialprobleme. So gibt es bei einigen Bauwerken etwa Spannungskorrosion. Dabei sorgt eindringendes oder eingelagertes Wasser dafür, dass der Stahl rostet und der hohen Belastung plötzlich nicht mehr standhält.
Bekanntestes Beispiel dafür ist die eingestürzte Dresdner Carolabrücke. Der dort verwendete Hennigsdorfer Spannstahl, der als das zentrale Problem beim Einsturz ausgemacht wurde, ist auch in 72 Berliner Brücken verbaut. Ein weiteres Problem ist der sogenannte Betonkrebs. Von ihm sind 13 Brücken in Zuständigkeit des Landes betroffen.
All das führt dazu, dass Berlin in den kommenden Jahren dutzende Bauwerke abreißen muss – mit entsprechenden Verkehrseinschränkungen. Die Bezirke sind unterschiedlich von maroden Brücken betroffen, die bis 2040 abgerissen und neu gebaut werden müssen.
Davon stehen die meisten in Marzahn-Hellersdorf (46 Brücken). Danach folgt Pankow mit 24 Fällen. Darunter sind die Brücken an den Bahnhöfen Schönhauser Allee und Landsberger Allee sowie weitere Straßenbrücken, die über die Ringbahn führen. In Mitte müssen zwölf Brücken erneuert werden: Bei der Mühlendammbrücke ging es schon los, die Neue Gertraudenbrücke ist in Planung. Ebenfalls stark betroffen sind Treptow-Köpenick und Spandau (je 15) sowie Friedrichshain-Kreuzberg (13). In Charlottenburg-Wilmersdorf und Lichtenberg sind es jeweils zehn und in Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg jeweils vier. In Neukölln betrifft es nur eine – die Grenzalleebrücke.
