Leserbriefe „Architektonisch spielt Berlin in der unteren Liga“

Zum Artikel „Regula Lüscher tritt ab“ vom 23. Juni in der Berliner Morgenpost

Dank an Redakteurin Isabell Jürgens, die abgetretene Senatsbaudirektorin auch kritisch zu beleuchten. Die Lobhudelei von Michael Müller halte ich dagegen für gänzlich unangebracht: Frau Lüscher, die von sich selbst behauptete, sie stünde für die Schönheit der Stadt, hat meine Stadt als Berliner in der vierten Generation gänzlich verhässlicht. Umfeld Haupt- und Südbahnhof, Europacity Berlin , Museum der Moderne, Umfeld Stadtschloss – Berlin -Typika? Weit gefehlt! Stattdessen Schlitz, Glas, Beton und polierter Kunststein. Warum haben die Berliner Bürgerinnen und Bürger die „ Stadtentwicklung “ von Frau Lüscher klaglos hingenommen? Das würde den Schweizern nicht passieren.
Hubertus Müller, per E-Mail

„Die Berliner Stadtplanung wird zum Albtraum“

Berliner Morgenpost vom 15.06.2021
Zum Artikel „Eine bauliche Misshandlung“ vom 11. Juni

Die Errichtung des Humboldt Forums ist bekannterweise der politischen Linken nach wie vor ein Dorn im Auge. Da es mehrheitsbedingt politisch nicht zu verhindern war, versucht man nun auf unerträgliche Weise mit allen Mitteln, Funktion und Optik herabzumindern oder in seiner Funktion zu beeinträchtigen. Selbst das „Einheitsdenkmal“, das doch an die wiedererlangte deutsche Einheit erinnern soll und nun nach vielem Gezerre errichtet wird, hindert den Senat nicht daran, durch ein geplantes Flussbad einen solchen Erinnerungsort und durch das Humboldt Forum aufgewerteten Kulturstandort mit dieser absolut überflüssigen Einrichtung eines deplatzierten Flussbads zu entwerten. Abgesehen von der technischen und hygienischen Durchführbarkeit sollte allen Entscheidungsträgern klar sein, was die Einrichtung eines Flussbads in dieser historischen Mitte anrichtet.
Heinrich Lemke, Britz

10 000 Bürger durften schon mitreden

Leserbrief zum Artikel "Die zwei von der Baustelle" vom 28.05.2021

Der Aussage „10 000 Bürger durften schon mitreden“ bei der Gestaltung der Freifläche zwischen Fernsehturm und Spree ist zu widersprechen.

Die Aussage des Abteilungsleiters in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Manfred Kühne, „die Politik habe in einem partizipativen Prozess entschieden", ist falsch. 2015 startete der Senat nicht eines der größten, sondern eines seiner undemokratischten Bürgerbeteiligungsformate in der Stadtplanung Europas. Auf der ersten Veranstaltung nahmen ca. 400 Bürger und auf einer zweiten ca. 120 Anwohnern und 50 Einwohner aus den Bezirken teil.
ZU dieser zweiten Veranstaltung wurde zu einer Diskussion eingeladen. Die Durchführung einer Abstimmung wurde im Einladungstext nicht erwähnt. Nach einer ersten Diskussionsrunde wurde plötzlich von der vom Senat berufenen Moderation zu einer Abstimmung aufgerufen. Mehrheitlich mit den meisten Stimmen aus dem Anwohnerblock unter Anführung von Carola Blum (Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE) sind dann die sogenannten Bürgerleitlinien beschlossen worden. „Die Berliner“ redeten also nicht mit!“

Herr Kühne und seine Vorgesetzte , Frau Lüscher setzen lediglich die damals eingeleitete Stadtentwicklungspolitik im Auftrag der  Partei „DIE LINKE“ fort und verstecken sich immer wieder hinter der Aussage „Die Berliner“* hätten die Leitlinien beschlossen“.

*Senatsvertreter versuchen, mit diesem Ausspruch „Die Berliner“ den Eindruck zu erwecken, eine repräsentative Mehrheit der Berliner hätten die 10 Leitlinien beschlossen.

Viele Grüße
G. Hoya

Sinnlose Geldausgaben für ein nicht realisierbares Projekt

Leserbrief zum Artikel „ Flussbad in Mitte: Kostspieliges Vergnügen“
Artikel in der Berliner Morgenpost vom 26.02.2021

Die Kostenerhöhung auf 200 Millionen Euro beim Flussbad in Mitte ist noch zu niedrig angesetzt. Hinzu kommen die Kosten für die Schadensregulierungen infolge Setzungsschäden an den benachbarten, denkmalgeschützten Gebäuden. Unerwähnt bleibt auch, dass Versuche mittels Pflanzenfilter Badewasserqualität herzustellen, erfolglos sind. Auch gibt es Berichte der Denkmalpflegebehörden, des Landesarchäologen und der Unesco, in denen das Projekt als nicht genehmigungsfähig abgelehnt wird. Zu nennen wäre noch die Steuergeldverschwendung. Der Verein erhält für die Betreuung der Projektidee mehr als eine Million Euro, also mehr, als die Planungskosten betragen würden. Warum spricht außer dem Steuerzahlerbund kein Politiker über diese sinnlosen Geldausgaben für ein nicht zu realisierendes Projekt?

Alte Platte, neue Liebe

Leserbrief zu "Neubewertung des ostdeutschen Städtebaus - Alte Platte, neue Liebe"
Artikel im Tagespiegel vom 04.10.2020

Sehr geehrte Redaktion, 
 
leider läuft der Beitrag "Alte Platte, neue Liebe" von Nicola Kuhn Gefahr eine sicher sehr komplexe Debatte auf ein eher schlichtes Lob der "DDR-Moderne" (auch ein oft inflationär gebrauchter - aber unterkomplexer - Begriff!) zu reduzieren. Wer die von Radio Bremen produzierte Dokumentation "Unsere Städte nach´45 Abriss und Protest" gesehen hat kann über diese "Wiederentdeckung" nur den Kopf schütteln. 
Viele moderne Nachkriegsplaner u.a. Rudolf Hillebrecht stammen direkt aus dem Wiederaufbaustab von NS-Minister Albert Speer, und wichtige Ahnherren der Moderne (Le Corbusier) haben intensiv mit dem Faschismus kollaboriert.
Die Demolierungswut - großflächige Abrisse historischer Bauten und ganzer Stadtteile - der 60er und 70er Jahre in West- und Ostdeutschland sind Tatsachen. Mitscherlichs Kritik an der Unwirtlichkeit der autogerechten Trabantenstädte beförderte den Bürgerprotest (West) gegen Größenwahn, ästhetische Zumutungen und Korruption ("Neue Heimat").