Ein Verrat an der Geschichte

Diese Preußen müssen zurück in die Mitte Berlins: Die Denkmäler von Scharnhorst und Bülow, die von 2002 an gegenüber der Neuen Wache standen, gehören an ihren alten Ort.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.10.2021 on Gabi Dolff-Bonekämper

Vor wenigen Wochen wurden in Berlin zwei stattliche Feldherrendenkmäler abgebaut, die zwischen der Staatsoper Unter den Linden und dem Prinzessinnenpalais gestanden hatten. Sie waren schon seit 2020 in ihren Winter-Gehäusen verborgen geblieben, denn der weiße Carrara-Marmor, aus dem sie geschlagen wurden, durfte nicht länger der Berliner Stadtluft ausgesetzt werden. Keines der vom Landesdenkmalamt angesprochenen Museen in Berlins Mitte wollte sie aufnehmen - sie seien zu groß, zu militärisch, passten nicht zum kuratorischen Konzept, man habe keinen Platz im Depot und sehe auch keine Perspektive für eine Ausstellung. Das Museum in der Spandauer Zitadelle war schließlich dankenswerterweise bereit, sie in seine klug konzipierte Dauerausstellung "Enthüllt" aufzunehmen. Da stehen sie nun, Meisterwerke des preußischen Klassizismus, im Kreise anderer ausrangierter Berliner Denkmäler aus den letzten beiden Jahrhunderten.

Am Nabel der Stadt

Am Nabel der Stadt
Berliner Zeitung vom 18.10.2021 von Maritta Tkalec

Erste Besucher erobern die Dachterrasse auf dem Humboldt-Forum – und sind begeistert

Toll! Großartig! Herrlich! Die Besucher, die am Sonntagvormittag auf die Dachterrasse des rekonstruierten Berliner Schlosses gekommen sind, äußern sich begeistert. Keiner meckert. Geduldig haben sie etwa eine Viertelstunde am Aufzug gewartet, bis sie kostenlos, ohne Zeitfensterticket und barrierefrei die neue Attraktion betreten durften. Familien mit Kindern, Paare, kleine Sonntagsausflugsgesellschaften sind dabei – und etliche echte Kenner von Stadt und Schloss, die nun Besitz ergreifen vom wiedererschaffenen Nabel der Stadt.

Es ist kühl und grau, aber der Blick, in welche Richtung auch immer, ist hinreißend. Alles, was schön ist an der Berliner Mitte, kommt zur Geltung: Die goldenen Kügelchen auf den Turmspitzen von Schinkels Friedrichswerderscher Kirche funkeln so wie in der anderen Richtung die Kuppel der Synagoge. Die Museumsinsel zu Füßen, die Türme vom Gendarmenmarkt und – ganz in der Ferne die weißen Kugeln der Horchstation auf dem Teufelsberg.

Senat schafft vollendete Tatsachen: Friedrichstraße in Mitte bleibt autofrei

Senat schafft vollendete Tatsachen:  Friedrichstraße in Mitte bleibt autofrei
Berliner-Zeitung vom 14.10.2021 

Ein großer Teil der Einkaufsstraße wird dauerhaft Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Der umstrittene Versuch ist erfolgreich, hieß es jetzt.

Autos müssen draußen bleiben. Seit August 2020 ist die Friedrichstraße zwischen der Leipziger und Französischen Straße Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. So soll es auch künftig sein.

Berlin Der mittlere Bereich der Friedrichstraße in Mitte bleibt autofrei – und zwar dauerhaft. Der rund 500 Meter lange Fahrbahnabschnitt zwischen der Leipziger und der Französischen Straße, der Fußgängern und Radfahrer vor über einem Jahr versuchsweise überlassen wurde, soll unbefristet für Kraftfahrzeuge gesperrt bleiben. Das habe Verkehrssenatorin Regine Günther am Donnerstagsabend während einer Videokonferenz mitgeteilt, berichtete der Grünen-Politiker Stefan Lehmkühler der Berliner Zeitung. „Voraussichtlich im zweiten Quartal 2022 will der Senat beim Bezirksamt Mitte die Teileinziehung für den motorisierten Individualverkehr beantragen“, sagte er. Radverkehr bleibe möglich. Ein von der Senatorin präsentierter Zwischenbericht habe gezeigt, dass der Verkehrsversuch „ein voller Erfolg“ sei, so Lehmkühler.

Ex-Bausenator Nagel rechnet mit Berlins Regierendem ab

Tagesspiegel Checkpoint vom 14.10.2021

Was loswerden wollte auf jeden Fall Berlins ehemaliger Bausenator Wolfgang Nagel (SPD): „Wenn Du Dich selbst nicht traust, Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen, dann höre bitte umgehend auf, die Bemühungen von Franziska Giffey und des Geschäftsführenden Landesvorstands um eine andere Koalition zu torpedieren“, schreibt er in einer „Abrechnung“ an Berlins Noch-Regierenden Michael Müller – und wettert gegen Rot-Rot-Grün.

Das Stadtschloss ist außen gelungen, aber innen ein Reinfall

Mein Ärger
B.Z. vom 12.10.2021 von Gunnar Schupelius

Der gerechte Zorn
Das Stadtschloss wurde wiederaufgebaut (2013 - 2021). Es schließt die Lücke im alten Zentrum, die 1950 durch den Abriss des Originalgebäudes gerissen wurde.

Das Schloss heißt nun "Humboldt Forum" und soll ein Ort der fortschrittlichen Bildung sein, an dem die Kulturen der Welt gleichberechtigt gezeigt werden. Es sei das "ambitionierteste Kulturvorhaben unseres Landes", sagte die Bundesbeauftragte für Kultur, Monika Grütters, zur Grundsteinlegung 2013. Als Gründungsintendant wurde 2015 der Direktor des British Museum, Neil Mac-Gregor, berufen. Er bezeichnete das Humboldt Forum als "große Maschine, in der ein neues Weltbild gestaltet werden kann".