Die Chronik der Weißadlergasse

FAZ 26. Juli 2010 - Von Dieter Bartztzko

Kleiner Schritt, große Wirkung: Ein Umbau in Frankfurts Zentrum setzt wegweisende Zeichen für den architektonisch sinnvollen Umgang mit der Stadtgeschichte.

Frankfurts Innenstadt ist ein brodelndes Labyrinth, in dem die Bauten fast im Jahrestakt steigen und fallen. Umso dankbarer ist man für Ruhepole. Zum Beispiel den Großen Hirschgraben, an dem Goethes Geburtshaus steht. Mit Ruhe im Sinne von Stille hat der belebte Straßenzug nichts zu tun. Viel aber mit der beruhigenden Kontinuität, die historische Bauten ausströmen. Dafür steht nicht nur das wiederaufgebaute Goethehaus selbst, sondern auch eine angrenzende Häusergruppe, dort, wo der Große auf den Kleinen Hirschgraben und die Weißadlergasse trifft. So wunderlich wie die aus alten Zeiten herübergeretteten Namen wirkt das Beieinander der Gebäude, das geschichtliche Episoden enthält, wie ein Zyniker sie nicht bizarrer hätte ausdenken können.

Berlin braucht das Humboldt-Forum

FAZ, 27. 07.2010 - Von Bernard Andreae

Ein Verzicht auf den Wiederaufbau des Schlosses ist nicht vorstellbar. Fragen der Nutzung sollte man Experten überlassen.

Sowenig man sich vorstellen kann, das Münsteraner Rathaus oder die Frauenkirche in Dresden wären nicht wieder aufgebaut worden, so wenig möchte man den Gedanken fassen, das Berliner Schloss solle nicht wieder erstellt werden. Denn es hat für das Ansehen von Berlin den gleichen Rang wie jene die Geschichte der jeweiligen Orte verkörpernden Bauten. Zum Glück wird wohl deshalb der Wiederaufbau nicht grundsätzlich in Frage gestellt, sondern es wird nur hier und da eine Denkpause begrüßt, weil die genaue Form und die mögliche Nutzung des Riesengebäudes nicht geklärt scheinen.

Wohin mit den Bussen?

Verkehrschaos
Berliner Morgenpost, 28. Juli 2010 - Von Thomas Füllig

Bevor sich die Menschenschlange vor dem Martin-Gropius-Bau in Kreuzberg bildet, hat sich die Wartereihe daneben längst formiert. Mehrere Busse stehen dicht hintereinander entlang der Niederkirchnerstraße.

Wer jetzt mit dem Bus anreist, hat richtig Pech. Alle Parkplätze sind zugestellt. Nun wird in der "zweiten Reihe" ausgestiegen. Die Sightseeing-Busse dahinter müssen warten, der Stau ist perfekt.

Ein Kulturschatz verdämmert in Berlin

FAZ 30. Juli 2010 - Von Andreas Kilb
Warum nicht ins Schloss?

Vor dem Zweiten Weltkrieg residierte das Berliner Kunstgewerbemuseum zwanzig Jahre lang im Schloss der Hohenzollern. Warum sollte es dort nach dem Wiederaufbau nicht wieder einziehen. Das Konzept des Humboldt-Forums muss ohnehin revidiert werden.

Aus der Asche

Frankfurter Allgemeine, 19.03.2010 - Von Andreas Kilb

Der Eingangsbau von David Chipperfield für die Berliner Museumsinsel stand von Anfang an unter schar­fer Beobachtung. Als der britische Ar­chitekt vor vier Jahren seinen ersten, aus gestaffelten Glaskuben bestehen­den Entwurf präsentierte, löste er allge­meine Entrüstung aus; Chipperfield musste nachbessern. Sein neues Kon­zept, das seit 2007 vorliegt, stieß auf breite Zustimmung.