Bausünde am Schinkelplatz

Eine neue Initiative hat sich gegründet, um moderne Architektur in der historischen Mitte zu verhindern. Mit einer Protestaktion am Sonnabend sollen der Bau eines Bürogebäudes sowie mehrerer Wohnhäuser in der vom Senat gewollten, modernen Architektur gestoppt werden.

Berliner Zeitung vom 5.10.2012 - von Uwe Aulich 

Die Kritik an den modernen Entwürfen für neue Gebäude am Schinkelplatz reißt nicht ab. Um eine „Bausünde" in der historischen Innenstadt zu verhindern, hat sich in dieser Woche eine Schinkelplatz-Initiative gegründet. Zu den Initiatoren zählt die ehemalige Chefin der Gesellschaft Historisches Berlin, Annette Ahme.

 

Berliner Schlossplatz

Unter den Linden droht eine neue Bausünde. Wer hält diese Architekten auf?

BZ - 3.Oktober 2012 von Gunnar Schupelius

Sehen Sie sich bitte das Haus auf diesem Foto an.
Sie sehen 38 rechteckige Fensterhöhlen, eine quadratische Tür und kein Dach.

Dieses Modell bekam den 1. Preis in einem Architekten-Wettbewerb der Stadt Berlin.

Es handelt sich um ein Bürogebäude, das die Münchner Firma Moll errichten will. Direkt gegenüber dem Schlossplatz, hinter der Kommandantur (Bertelsmann, Unter den Linden 1).

Der passende Rahmen fürs Schloss

Streit gab es schon vor Beginn des internationalen Wettbewerbs zur Gestaltung des Schlossumfeldes: Modern oder nach historischen Vorbildern - darüber scheiden sich die Geister. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bezieht Stellung.

Der Tagesspiegel, 14.09.2012 - von Ralf Schönball

Streit hatte es schon gegeben, als der Rahmen für diesen Wettbewerb noch gar nicht abgesteckt war. Jetzt ist er gestartet: Der Aufruf an die besten internationalen Landschaftsarchitekten, ihre Vorschläge zur Gestaltung des Umfeldes von Berlins wohl spektakulärstem Neubauprojekt einzureichen, dem Schloss. Auf 38 000 Quadratmetern Grundstück und öffentlichen Flächen ist Platz für Wege, Kunst, Skulpturen, Grünflächen und Wasserspiele. Zehn Millionen Euro umfasst das Budget. Die Gewinner erhalten neben Preisgeldern von mehr als 80 000 Euro größtmögliche Öffentlichkeit – auf vermintem historischen Terrain.

Kaminzimmer mit Schlossblick

Am Berliner Schinkelplatz wollte die Senatsbauverwaltung unter Regula Lüscher alles richtig machen: Nicht Investorenwillkür sollte hier gestalten, sondern ein Wettbewerb. Die Münchner MVV GmbH & Co.KG, die das Grundstück erworben hat, lud 15 Büros durchaus unterschiedlichen ästhetischen Profils ein.

Bauwelt - 32-2012 vom 17.08.2012 - von Nikolaus Bernau 

Zwei erhielten einen ersten Preis: Volker Staab für die Planung eines Bürogebäudes, Piero Bruno, Donatella Fioretti und José Marquez für ihren Entwurf für Wohnbauten.Und um Vielfalt herzustellen, empfahl die Jury unter Vorsitz von Dietrich Fink, München, auch den drittplatzierten Klaus Theo Brenner mit einem Wohnhaus zu beauftragen.

Schlossgelände Haltet euch an das Original!

Wie soll das Areal rund um das neue Schloss gestaltet werden? Diese Frage beschäftigt derzeit Politiker, Architekten und Bürger. Wer versucht, das Gelände auf modern zu trimmen, handelt instinktlos. Und ahistorisch wäre es auch.

Der Tagesspiegel, 09.08.2012 - von Gerd Appenzelle

Auf den ersten Blick erscheint es wie eine Debatte um Lappalien, um ein paar Pflastersteine hier oder drei Sträucher dort. Tatsächlich aber liegt im Streit über die Gestaltung des Schlossumfelds erhebliche Brisanz. Es geht einmal darum, ob die Garten- und Platzlandschaft rund um das Humboldt-Forum historische Bezüge aufnehmen oder ob sie modern ausfallen soll. Damit eng verbunden, wenn auch nicht Gegenstand des auszuschreibenden Wettbewerbs, ist außerdem die Entscheidung, was mit dem heutigen Marx-Engels-Forum geschieht: Bleibt es eine Wiese, oder wird es im Straßenraster des alten Stadtkerns, der Urzelle Berlins, wieder bebaut?