Wie eine Planerkaste unsere Städte ruiniert

Weil die Mieten in besonders beliebten Quartieren rasant steigen, rufen Politiker wieder nach Regulierung. Dabei war es dieser staatliche Zugriff, der nach 1945 die deutschen Städte entstellt hat.
Die Welt vom 06.03.2014 - von Dankwart Guratzsch

Die Sehnsucht nach der historischen Stadt treibt die seltsamsten Blüten – wie hier im Neubauviertel Riedberg in Frankfurt am Main Jahrzehntelang haben deutsche Stadtoberhäupter beklagt, dass die Innenstädte verödeten, dass sie zu Slums verkämen, dass bedrückende Gettos entstünden. Nun plötzlich sind die Innenstädte bei Mietern wieder gefragt. Eigentlich müssten dieselben Bürgermeister jetzt jubeln, denn alle düsteren Prophezeiungen haben sich als Hirngespinste entpuppt.

Der Alexanderplatz wird neu erfunden

Stadtplanung - Der 39 Stockwerke hohe Gehry-Wohnturm entsteht. Doch der Hochhaus-Masterplan von Kollhoff gilt als nicht umsetzbar
Berliner Morgenpost vom 28.01.2014 - von Isabell Jürgens

Der Neubau des ersten Wohnhochhauses am Alexanderplatz wird nach den Plänen des amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry errichtet. Das gaben Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Christoph Reschke, Geschäftsführer des amerikanischen Immobilienunternehmens Hines, am Montag bekannt. Der Baustart für den bis zu 250 Millionen Euro teuren Turm mit dem Grundriss eines Kleeblatts soll im kommenden Jahr erfolgen.

Forum zur Zukunft der historischen Stadtmitte gefordert

Stadtplanung - Forum zur Zukunft der historischen Stadtmitte gefordert. Die städtebauliche Zukunft von Berlins historischer Mitte soll offen und unter breiter Bürgerbeteiligung diskutiert werden.
Berliner Morgenpost vom 27.01.14

Dafür haben sich jetzt die Stiftung Zukunft Berlin, die Hermann-Henselmann-Stiftung und das Bürgerforum Berlin ausgesprochen. Trotz unterschiedlicher Positionen zur Nutzung des Geländes zwischen Fernsehturm und Stadtschloss schlagen die Initiativen gemeinsam die Einberufung eines "Forums Berlin-Mitte" vor. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und in der DDR-Zeit präsentiert sich das Areal, das als zivilisatorischen Wiege Berlins gilt, als ungepflegtes Freigelände.

Hier sind Parlamentarier wie Könige

Friedrich der Große hat es errichtet, die Bomben des zweiten Weltkriegs haben es beschädigt, das DDR-Regime hat es gesprengt: das Potsdamer Stadtschloss. Nun ist es wieder aufgebaut und soll als Landtag dienen - am Wochenende wird es eröffnet.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.01.2014  von Dieter Bartetzko

Wer bisher Potsdam als die Perle des preußischen Barock und Klassizismus erleben wollte, schloss bei der Ankunft am besten die Augen. Denn die Bomben des Zweiten Weltkriegs und die Sprengkommandos der DDR hatten das hinreißende Entree der Stadt ausradiert: Statt des Stadtschlosses, des palaisumstandenen Alten Markts und des die Havel säumenden Lustgartens gähnte eine winddurchtoste Brache. Über sie wälzte sich eine achtspurige Verkehrsstraße. Und an ihrem Rand fröstelten, als verlorene Solitäre restauriert, das Rathaus und das Knobelsdorff-Haus, suchte die mächtige Kuppelkirche St. Nikolai vergeblich Halt in umgebender Bebauung.

Aus Liebe zur Leere

Verwegen: Eine Charta zur historischen Mitte Berlins
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Januar 2013 von Andreas Kilb

Da sitzen vier Leute, ein Historiker, ein Journalist und zwei Stadtplaner, im großen Saal einer Privatgalerie hinter dem Roten Rathaus und stellen eine "Charta für die Mitte von Berlin" vor. Wovon handelt sie? Von der Wiedererweckung der Stadt. Ja, schläft sie denn immer noch? In der Tat, das tut sie. Zur Illustration läuft ein kleiner Film, der den Stand der Dinge zwischen Alexander- und Schlossplatz, also dort, wo einmal das älteste, ursprüngliche Berlin lag, vor achtzig Jahren und heute an wichtigen Beispielen zeigt. Damals: Häuser, Läden, Plätze, Passanten, Kaufhäuser, Denkmäler, Kirchen. Heute: Autos. Ampeln. Sechsspurige Straßen. Bauzäune. Brachen. Verlottertes Grün.