Vergangenheit und Zukunft der Berliner Schlossfreiheit
von Ingmar Arnold von den Berliner Unterwelten
Wann: 28. Januar 2026 um 18 Uhr
Wo: Nicolaihaus, Brüderstraße 13, Berlin-Mitte
Als der damals noch junge Verein "Berliner Unterwelten e.V." 1998 das Buch "Schlossfreiheit - Vor den Toren des Stadtschlosses" veröffentlichte, war die Schlossfreiheit noch ein weitgehend öder Ort und die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses nicht einmal vom Deutschen Bundestag beschlossen. Dass in dieser Straßenzeile unmittelbar vor den Toren des königlichen Stadtschlosses über dreihundert Jahre das Leben pulsierte, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten.
Rückblick von Wolfram Giese: Erinnerung an Schlossfreiheit wieder lebendiger machen
Eine Schlossfreiheit ist eigentlich nichts Besonderes. Es gab und gibt sie in vielen Städten von Duisburg bis zum heute polnischen Posen, berichtete Ingmar Arnold von den Berliner Unterwelten in seinem lebendigen Vortrag beim 14. Historischen Salon der GHB. In unmittelbarer Nähe des jeweiligen Schlosses räumten die Schlossherren den Bürgern Steuernachlässe ein, wenn sie in diesen Bereichen Gebäude errichteten und sich dort mit Wohnungen oder Gewerbe ansiedelten.
So auch 1642 auf der Westseite des Berliner Schlosses. Der Große Kurfürst ermöglichte insbesondere Handwerkern, die für Bautätigkeiten am Schloss verantwortlich waren (Ingmar Arnold: "IKEA für das Schloss"), den günstigen Bau von einer ganzen Häuserzeile. Quirliges Leben entwickelte sich, leider auch Gewalttätigkeiten, so bei einer Schlägerei 1842. Die Vorfahren berühmter Persönlichkeiten wie Gysi oder Wolfssohn lebten dort. Ende des 19. Jahrhunderts folgte dann allerdings der Abriss der Häuser. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal entstand 1897, das dann wiederum nach dem Zweiten Weltkrieg von der DDR-Führung dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Heute empfängt Besucher der früheren - 2018 vom Land Berlin an den Bund verkauften - Schlossfreiheit Ödnis. Eine Freitreppe zum Kupfergraben ist erst in Bau. Die Baustelle des wegen Insolvenz des Bauträgers nicht vollendeten Einheits- und Freiheitsdenkmals vegetiert erstmal weiter vor sich hin.
Ob das Denkmal je vollendet wird? Marc Schnurbus vom Schlossbauförderverein - ebenfalls anwesend beim 14. Historischen Salon - geht davon aus, dass die Politik alles daran setzen wird. Ingmar Arnold plädiert hingegen für eine ganz andere Idee: Warum nicht ein Freiheits- und Einheitsdenkmal an der Bornholmer Straße errichten, wo der Schlagbaum am 9 November 1989 zuerst aufging? Für die Schlossfreiheit müsse man hingegen auch andere Ideen diskutieren. Im Vordergrund müsse die Aufenthaltsqualität stehen. Und die Schlossfreiheit müsse sich auch endlich wieder auf einem Straßenschild wiederfinden.
