Morgenpost vom 21.09.2026 von Nicole Dolif

Berlin Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wird die Linke klar stärkste Kraft und verweist die CDU auf Platz zwei. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erreicht die Linke 25,7 Prozent. Damit könnte Elif Eralp die erste Linke werden, die das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in der Hauptstadt übernimmt. Die 45-Jährige wäre zudem die erste Berliner Regierungschefin mit Migrationsgeschichte. „Ab heute verändern wir gemeinsam unser Berlin und machen daraus einen besseren Ort“, sagte Eralp bei der Wahlparty ihrer Partei. „In unserer Stadt haben die Liebe und die Gerechtigkeit über den Hass gewonnen und dieses Signal geht raus in die Welt.“

Die CDU muss nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen weiteren Rückschlag einstecken und rutscht auf 18,8 Prozent ab. Spitzenkandidat Evers, der erst im Juli als Ersatzmann für den amtierenden Regierungschef Kai Wegner in den Wahlkampf eingestiegen war, sieht im Abschneiden seiner Partei bei der Abgeordnetenhauswahl ein durchwachsenes Ergebnis. „Wir haben für die Ausgangslage ein ganz ordentliches Ergebnis erzielt“, sagte er am Abend vor Parteimitgliedern.

Um den dritten Platz liefern sich AfD und Grüne weiter ein enges Rennen. Die AfD liegt bei 16,3 Prozent und kann ihr Ergebnis von der Wiederholungswahl 2023 (9,1 Prozent) deutlich steigern. Die Grünen kommen auf 14,3 Prozent (2023: 18,4).

Abgeschlagen liegt die SPD von Steffen Krach auf Platz fünf. Am Ende steht sie bei 12,1 Prozent (2023: 18,4). Krach nannte das Abschneiden seiner Partei, die seit der Wiedervereinigung ununterbrochen Teil des Senats war, ein „katastrophales Ergebnis“. Es sei eine Zäsur für die Berliner SPD. „Wir waren über Jahrzehnte die Berlin-Partei. Heute kann man nicht mehr sagen, dass wir es sind“, sagte er.

Das BSW schafft es mit 4,7 Prozent nicht ins Parlament schaffen. Die noch junge Partei war erstmals zur Wahl für das Berliner Abgeordnetenhaus angetreten. Die FDP kann erneut nicht in das Landesparlament einziehen und liegt abgeschlagen bei 2,5 Prozent.

Die Regierungsbildung wird in Berlin ohne Frage schwierig. Als wahrscheinlichste Option gilt eine Dreier-Koalition. Entweder gehen Linke, Grüne und SPD zusammen oder aber CDU, Grüne und SPD bilden eine Koalition, wobei es bei diesem Bündnis voraussichtlich nur knapp für eine Mehrheit reicht. Die beiden Grünen-Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai erklärten bereits: „Wir wollen jetzt Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit SPD und Linken ein progressives Bündnis für Berlin schmieden.“

Bei den gleichzeitig stattfindenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern landet die AfD laut vorläufigem Ergebnis auf Platz eins mit 38,2 Prozent (2021: 16,7) und ist damit zum dritten Mal nach Thüringen und Sachsen-Anhalt stärkste Kraft in einem Bundesland. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kommt auf 35,5 Prozent (39,6). Die Linke fällt auf 6,5 (9,9). Die CDU rutscht mit 4,9 Prozent unter die Fünf-Prozent-Hürde (2021: 13,3). Es ist das schlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte. Die Grünen werden mit 5,7 Prozent (6,3) ins Parlament einziehen, das BSW mit 4,8 Prozent nicht. Die FDP fliegt mit 1,0 Prozent (5,8) raus.

Wenige Minuten nach der öffentlichen Verkündung des Wahldebakels der CDU wandte sich Kanzler Friedrich Merz im Helmut-Kohl-Saal der Berliner Parteizentrale an die deutsche Öffentlichkeit. „Es ist ein Desaster“, sagte der Kanzler unumwunden, da gebe es nichts schönzureden.

In seinem knapp fünfminütigen Statement warb er für seinen Reformkurs und sprach von Verantwortung. „Ich möchte unser Land voranbringen“, sagte er. „Diese Reformen sind das Mittel, gegen das autoritäre Gift, das mit der Faszination des Autoritären immer tiefer in unsere Gesellschaft eindringt.“ Was jetzt zu tun sei, erfordere Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld. „Ich werde das aufbringen – als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.“ Ob ihm seine Partei dabei folgt, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

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