Zunächst tagen die Gremien der Parteien und es fallen Entscheidungen über mögliche Koalitionen. Das neue Parlament konstituiert sich am 29. Oktober.
Morgenpost vom 21.09.2026 von Hans Cord Hartmann

Berlin Nach einer kurzen Nacht beginnt an diesem Montag die Auswertung der Wahlergebnisse – intern in Gremiensitzungen, öffentlich in Pressekonferenzen. Danach werden die Sondierungsgespräche vorbereitet. Die Linke kommt am nächsten Freitag zu einem Parteitag zusammen. Die Basis soll dann entscheiden, ob Sondierungsgespräche aufgenommen werden sollen oder nicht. Über die genaue Tagesordnung will die Partei an diesem Montag entscheiden.

Linke will Basis über Sondierung abstimmen lassen

In den vergangenen Monaten sind viele neue Mitglieder in die Linke eingetreten. Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt kamen noch einmal 350 hinzu. Die Partei hat jetzt mehr als 19.000 Mitglieder. Ziel des Parteitages wird es also sein, diese junge, unerfahrene Basis mitzunehmen.

Dass man einen Parteitag einberuft, nur um über die Aufnahme von Sondierungsgesprächen zu beraten, dürfte allerdings auch der Diskussion geschuldet sein, ob die Partei überhaupt regieren will. Im Neuköllner Kreisverband würde so mancher lieber in die Opposition gehen – und sagte das auch öffentlich. An der Spitze und in der Breite ließ die Linke aber keinen Zweifel daran, dass sie antritt, um aus der Regierung heraus etwas verändern zu wollen.

Der Parteitagsbeschluss für Sondierungsgespräche soll diesen Regierungswillen – mit einem „hoffentlich“ starken Ergebnis, wie eine Sprecherin sagte – also für alle verbriefen. Schon jetzt ist klar: Es wird nicht das letzte Mal bleiben, dass die Linke ihre Basis befragt. Nach dem Ende möglicher Sondierungsgespräche sollen Partei und Basis erneut abstimmen. Dann über das Verhandlungsergebnis.

CDU: Sondierungsteam um Stefan Evers soll schon stehen

Die Christdemokraten planen ohne Parteitag. Zu einem möglichen Team für die Sondierungsgespräche gehören nach Informationen der Berliner Morgenpost neben dem Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden, Stefan Evers, der Generalsekretär Lukas Krieger, der amtierende Fraktionsvorsitzende Dirk Stettner und der parlamentarische Geschäftsführer Heiko Melzer.

Qua Amt hätte wohl auch der scheidende Regierende Bürgermeister Kai Wegner theoretisch ein Wörtchen mitzureden. Wegner hatte sich nach seinem Verzicht auf die Spitzenkandidatur allerdings nicht nur in der Öffentlichkeit auffällig zurückgehalten. Auch intern übernahm Evers alle wichtigen Termine. Es scheint daher unwahrscheinlich, dass Wegner an den Gesprächen teilnimmt.

Grüne planen kleinen Parteitag nach den Sondierungen

Bei den Grünen ist für die erste Phase nach der Wahl ebenfalls kein Parteitag geplant. Intern steht auch fest, wer für die Partei – ohne die sich keine neue Regierung bilden kann – die Sondierungen führen soll. Fraktion und Partei sollen aber gleichermaßen stark abgebildet sein. Namen wurden noch nicht genannt.

Das Ergebnis der Sondierungen wollen die Grünen dann aber einem sogenannten kleinen Parteitag zur Abstimmung stellen. Der setzt sich allein aus Delegierten zusammen und ist deshalb leichter zu steuern als ein Mitgliederentscheid. Die Entsandten der Bezirksgruppen und Abteilungen sollen außerdem entscheiden, wer ihre Partei in die nächste Phase – die Koalitionsverhandlungen – führen soll.

Konkurrenz unsicher über personellen Zustand der SPD

Und die SPD? Von den anderen Parteien wurde vor den Sondierungsgesprächen hinter vorgehaltener Hand darauf verwiesen, dass man noch nicht sicher wisse, mit welcher SPD man es in den Gesprächen über eine mögliche gemeinsame Regierung zu tun bekomme.

Insbesondere die Frage, ob der Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Steffen Krach angesichts laufender Ermittlungen gegen ihn – und trotz geltender Unschuldsvermutung – auch nach der Wahl eine tragende Rolle spielen werde, hielt die Konkurrenz noch nicht für ausgemacht. Insbesondere für ein rot-grün-rotes Bündnis dürfte die Antwort auf diese Frage aber schwer wiegen. Denn im Wahlkampf hat Krach bei den Themen Innere Sicherheit und Vergesellschaftung auf klare Abgrenzung zur Linken gesetzt.

Die erste Sitzung des neuen Abgeordnetenhauses findet Ende des kommenden Monats statt. Wenn das Parlament am 29. Oktober zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommt, dürften in Berlin schon einige Weichen gestellt, viele entscheidende Fragen aber auch noch unbeantwortet sein. Eine neue Regierung wird erfahrungsgemäß frühestens rund um den Jahreswechsel stehen.

Neue und alte Fraktionsmitglieder tagen gemeinsam

In der Woche nach der Wahl kommen die einzelnen Fraktionen im Parlament aber schon zusammen. Neue und alte Fraktionsmitglieder tagen dann gemeinsam. Im strengen Sinn handlungsfähig werden die gewählten Parlamentarier aber erst mit der förmlichen Konstituierung des Abgeordnetenhauses. Eröffnet wird diese erste Sitzung durch das älteste Mitglied, den Alterspräsidenten. Das Parlament gibt sich eine Geschäftsordnung, wählt den Präsidenten, das Vizepräsidium und setzt den Ältestenrat und den Hauptausschuss ein. Damit hat die neue Legislatur dann auch offiziell begonnen.

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