Am Robert-Koch-Forum in Berlin-Mitte schreitet der Umbau nur langsam sichtbar voran. Tatsächlich liegt der Schwerpunkt der Arbeiten derzeit im Inneren des denkmalgeschützten Ensembles, das künftig als Hochschulstandort…
Entwicklungsstadt vom 23.01.2026 von Juri Braun

In der Dorotheenstraße 94, unweit des Bundestags und in direkter Nachbarschaft zum Jakob-Kaiser-Haus, liegt das Robert-Koch-Forum. Das Gebäudeensemble nimmt nahezu einen gesamten Block ein und bildet einen markanten Übergang zwischen Regierungsbauten und Spreeufer.

Errichtet wurde der spätklassizistische Komplex zwischen 1873 und 1883 auf Initiative des Physikers Hermann von Helmholtz. Die Anlage zählt zu den bedeutenden Werken der Schinkel-Nachfolge und steht exemplarisch für den Anspruch, Wissenschaft dauerhaft im Zentrum der Stadt zu verankern.

Forschungsgeschichte am Standort Berlin-Mitte: Ein Ort mit internationalem Ruf

Im Robert-Koch-Forum arbeiteten zahlreiche Wissenschaftler von Weltrang. Robert Koch präsentierte hier 1882 im großen Hörsaal erstmals den von ihm entdeckten Tuberkulose-Erreger. Auch Physiker wie Max Planck, Gustav Hertz, Walther Nernst und Wilhelm Wien forschten an diesem Standort.

Der Zweite Weltkrieg beschädigte große Teile des damaligen Physikalischen Instituts. In den Jahren nach 1955 trug man mehrere Gebäude ab, während einzelne Trakte erhalten blieben und weiterhin wissenschaftlich genutzt wurden.

Nutzung nach dem Krieg und Wandel des Umfelds: Neue Nachbarschaften entstehen

In den 1960er-Jahren bezogen medizinische Institute der Humboldt-Universität Teile des Ensembles. Das frühere Direktorenwohnhaus diente als Sitz des „Hygiene-Instituts“ der DDR. Diese Nutzungen brachten funktionale Umbauten mit sich, die die historische Struktur stark veränderten.

Nach der Wiedervereinigung veränderte sich auch das Umfeld. Auf einem im Krieg zerstörten Teil des Areals entstand ab 1996 das ARD-Hauptstadtstudio, das 1999 eröffnete. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert weiterhin an die wissenschaftliche Geschichte des Ortes.

Rückkauf und neue Nutzungsperspektiven: Der Weg zur aktuellen Sanierung

2006 übergab die Charité das Robert-Koch-Forum an den Liegenschaftsfonds Berlin. Mehrere geplante Hochschulnutzungen scheiterten in den Folgejahren. Deshalb kaufte das Land Berlin das Ensemble 2016 für rund 15 Millionen Euro zurück und bereitete eine langfristige öffentliche Nutzung vor.

Seit 2017 nutzt das Einstein Center Digital Future einen bereits sanierten Gebäudeteil. Ab 2026 soll die Hertie School mit über 900 Studierenden Hauptnutzerin des rund 12.500 Quadratmeter großen Areals werden. Auch die Berlin University Alliance plant Flächen im Ensemble, ob die Sanierung des Gebäudes dieses Jahr abgeschlossen werden kann bleibt jedoch unklar.

  • Aktueller Baufortschritt im Inneren des Robert-Koch-Forums: Technisch anspruchsvolle Arbeiten
  • Auf der Baustelle wirkt der Fortschritt von außen überschaubar. Gerüste und Bauzäune prägen weiterhin das Straßenbild. Der Großteil der Arbeiten findet jedoch im Inneren statt. Dort modernisieren Fachfirmen Tragwerk, Haustechnik und Raumstrukturen Schritt für Schritt.

Besonders aufwendig gestaltete sich die Sanierung des Großen Saals. Er erhielt eine neue Gründung auf tiefen Pfählen, sodass die Bauarbeiten ohne Erschütterungen durchgeführt werden können und der Betrieb des benachbarten ARD-Hauptstadtstudios nicht beeinträchtigt wird. Gleichzeitig haben letztes Jahr Funde von Asbest in Nachkriegs-Einbauten zu Verzögerungen und Umplanungen geführt.

Kostenrahmen und Ausblick für den denkmalgeschützten Bau in Berlin-Mitte: Fertigstellung in Sicht
Insgesamt investiert das Land Berlin bisher rund 60 Millionen Euro in die Sanierung und den Umbau des Robert-Koch-Forums. Damit liegen die Kosten deutlich über den ursprünglichen Annahmen. Die landeseigene BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH beauftragte für Planung und Umsetzung das Büro Eller + Eller Architekten.
Nach aktuellem Stand soll die Sanierung im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Dann soll das Robert-Koch-Forum wieder als aktiver Hochschul- und Forschungsstandort in Berlin-Mitte wahrnehmbar sein und an seine lange wissenschaftliche Tradition anknüpfen.
Das Robert-Koch-Forum an der Dorotheenstraße befindet sich mitten im Regierungsviertel zwischen Jakob-Kaiser-Haus und ARD-Hauptstadtstudio. Aktuell laufen im Inneren umfangreiche Arbeiten an Tragwerk, Haustechnik und historischen Räumen im Zuge des Umbaus für die künftige Hochschulnutzung.

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