Bruchgefahr: Berlin beschleunigt Verfahren für Mühlendammbrücke
Morgenpost vom 03.12.2025 von Louisa Thönig
Mitte Die Mühlendammbrücke in Mitte rückt schneller als erwartet an den Rand ihrer Belastbarkeit. Seit Jahren ist bekannt, dass das Spannbetonbauwerk aus dem Jahr 1968 ersetzt werden muss – konstruiert mit jenem „Hennigsdorfer Spannstahl“, der auch in der 2024 eingestürzten Dresdner Carolabrücke verbaut war. Doch nun deutet sich an, dass der Zeitdruck größer ist als bislang kommuniziert.
Nach Informationen aus einer Ausschreibung will die Verkehrsverwaltung unter Senatorin Ute Bonde (CDU) den vollständigen Abriss und Neubau im Mai 2026 beginnen. Das Verfahren sei in den vergangenen Tagen europaweit veröffentlicht worden – als „beschleunigtes Vergabeverfahren“. Die Begründung dafür fällt sehr deutlich aus: „Für das Teilbauwerk 2 der Mühlendammbrücke besteht fortlaufend die latente Gefahr von Spannstahlbrüchen, was eine sofortige Sperrung und entsprechende Notmaßnahmen nach sich ziehen würde. Aus diesem Grund ist ein kurzfristiger Baubeginn und ein beschleunigtes Vergabeverfahren für die Bauleistungen dringend erforderlich.“
Über die Brücke fahren täglich rund 73.000 Fahrzeuge. Sie ist eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz. Eine spontane Vollsperrung hätte weitreichende Folgen für den Verkehr in Mitte. Bereits vor Jahren musste eine Brückenhälfte abgerissen werden, beide Fahrtrichtungen verlaufen nun über die verbliebene Konstruktion.
Die Ausschreibung sieht rund drei Jahre und drei Monate Bauzeit für die Maßnahme vor. Gearbeitet werden soll montags bis sonnabends von 6 bis 22 Uhr, an einzelnen Tagen auch nachts. Insgesamt müssten noch etwa 2400 Kubikmeter Beton der alten Konstruktion entfernt werden, der Neubau erfordert rund doppelt so viel Material.
