Leserbrief vom 29.01.2026 von Gerhard Hoya
Zum Artikel Wilhelmstraße, Denkmalschutz und eine Lüge vom 26.01.2026

Sehr geehrter Herr Schupelius,
ich bin dankbar dafür, dass Sie das skandalöse Verhalten des Landesdenkmalamtes und des Abteilungsleiters der Stadtentwicklung Manfred Kühne veröffentlicht haben.
Schon im September 2021 habe ich in einer Pressemitteilung kritisiert, dass die DDR-Plattenbauten in der Wilhelmstraße  vom Landeskonservator Rauhut unter Denkmalschutz gestellt wurden. Ich wies daraufhin, dass große Teile der Zivilgesellschaft das Interesse der Allgemeinheit bestreiten.

Das Amt den politischen Stimmen insbesondere der SED-Nachfolgeorganisationen entsprach, die für die Erhaltung eines Plattenbauten „Ensembles“ plädieren, dass tatsächlich aber lediglich als fragmentarischer Rumpf eines „Neubau-Wohnkomplexes“ existiert.

Die „Edel-Platten“– von Berlinern so genannt wegen der Bewohner - vornehmlich politische, kulturelle und gesellschaftliche Eliten des DDR-Systems- und auch wegen der fortschrittlicheren Plattenbautechnik – waren ein später Versuch der DDR, das Todesstreifengelände zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz städtebaulich aufzuwerten. Das vom Architekten Stingl geplante Ensemble wurde nie vollendet.
An der Wilhelmstraße wird deutlich, dass Bauwerkserhaltung immer etwas mit Bruch und Kontinuität von Tradition zu tun hat. Es ist erneut die Frage zu stellen, ob die Wahrung einer DDR-Tradition, die nicht nur in Mauerbau, Todesstreifen und Edelplatten versteinerte, durch Bauwerkserhaltung kulturell, politisch und wirtschaftlich zu wünschen ist.

Ein politischer und gesellschaftlicher Konsens für die Entwicklung der Quartiere an der Wilhelmstraße steht aus. Leider stellte jetzt der Landeskonservator übereilt die Plattenbauten unter Denkmalschutz. Eine fatale Fehlentscheidung an einem bedeutenden Ort Deutscher Geschichte! 

Nach alledem erscheint das Wohnquartier an der Wilhelmstraße nicht unbedingt als „anschauliches Zeugnis für den in den 1970er und 1980er Jahren erfolgten
Paradigmenwechsel in der Stadtentwicklung.“ War es nicht vielmehr so, „dass das Quartier bis dahin für die gesellschaftliche und politische Elite der DDR und parteitreue Genossinnen
und Genossen konzipiert worden war“, wie selbst das Landesdenkmalamt in der bereits oben erwähnten Information feststellt. Der in der Begründung zur Unterschutzstellung beschrieben künstlerische und gelobte Wert der Architektur war frei erfunden. 

Ich kam schon damals zum dem Schluss, die Wohnanlage ist kein schützenswertes Denkmal.

Um im Sinne von Johann Wolfgang von Goethe zu formulieren: Man stellt Fragen und merkt die Absicht und ist verstimmt.

Ich unterstütze die Forderung, dass der Denkmalschutz aufgehoben wird. Wer kümmert sich darum?

Die Politik und die Verwaltung werden von sich aus sicherlich nicht tätig. 

Viele Grüße
G. Hoya
Vorsitzender der Gesellschaft Historisches Berlin e. V.