118 Meter Hässlichkeit

Neue Zürcher Zeitung  vom 17.4.2016 - von E.Müller

Mitten in Zürich ist der Swissmill-Turm fertiggestellt. Der Kornsilo setzt einen neuen städtebaulichen Akzent in der Limmatstadt – als grauer, fensterloser Betonklotz. In Basel lacht man sich ins Fäustchen. Jetzt, wo der Kran abgebaut ist, lässt sich der Betonkubus in seiner ganzen Hässlichkeit erfassen. 118 Meter hoch ragt der schmale Swissmill-Turm am Zürcher Sihlquai in den Himmel, ohne ein einziges Fenster, abweisend mit seiner grauen, fast ungestalteten Fassade.

So empfängt das neue Wahrzeichen der Limmatstadt den Besucher, der von Westen kommt, mit dem Charme eines sowjetischen Kriegsdenkmals in den masurischen Sümpfen. Ein Kriegsdenkmal ist es aber nicht, sondern ein frisch betoniertes Museumsstück, das nach Meinung der Stadtregierung die Erinnerung an das Handwerk im ehemaligen Industriegebiet bewahrt, in einem Quartier notabene, wo sich längst urbanes Wohnen, schicke Bars und die Studios der Kreativwirtschaft breitgemacht haben.

Historische Mitte Umbau der Grunerstraße: Autofahrer können entspannt bleiben

Der Umbau der historischen Mitte sollte allen Autofahrern ein paar Minuten mehr Fahrzeit wert sein, kommentiert Isabell Jürgens.
Berliner Morgenpost vom 19.04.2016 - von Isabell Jürgens

Als Stadtreparatur im Herzen Berlins bewirbt der Senat den Bebauungsplan für den Molkenmarkt. Dieser soll dafür sorgen, dass aus dem Areal hinter dem Berliner Rathaus wieder ein lebendiges Viertel wird, in dem gewohnt und gearbeitet werden kann. Eine schöne Vision, die jedoch nicht unumstritten ist. Denn für das neue Klosterviertel werden 60.000 Autofahrer, die den Straßenzug Grunerstraße und Mühlendamm täglich nutzen, auf ihre schnurgerade achtspurige Rennstrecke verzichten müssen. Im Zickzackkurs und eingeengt auf sechs Spuren soll der Verkehr auf der Ost-West-Verkehrsachse künftig am Molkenmarkt vorbeigeführt werden statt quer darüber.

Berliner Stadtkern Reparatur am Herzen Berlins

Der Senat plant die Umgestaltung des Kerns von Alt-Cölln und will dafür die Grunerstraße in Mitte verlegen. Verkehrsprobleme drohen.
Berliner Morgenpost vom 19.04.2016 - von Isabell Jürgens

Seit 1999 existieren die Pläne, nach denen der Straßenzug Mühlendamm, Gertrauden- und Grunerstraße, eine der wichtigsten Ost-West-Achsen zwischen Alexander- und Potsdamer Platz, zurückgebaut werden soll. Im sogenannten "Planwerk Innenstadt" hatte der Senat damals festgelegt, dass die überbreite, achtspurige Autopiste auf ein innerstädtisches Maß zurückgebaut werden soll. Doch erst auf seiner Sitzung am Dienstag machte der Senat nun ernst: Auf Vorlage des Senators für Stadtentwicklung, Andreas Geisel (SPD), hat der Senat die umstrittene Verschwenkung des Straßenzugs und seine Verschmälerung auf sechs Fahrspuren beschlossen.

Marx-Engels-Forum wird als Standort für die Landesbibliothek untersucht

Berliner Zeitung vom 14.04.2016 - von Uwe Aulich

Der Senat prüft jetzt das Marx-Engels-Forum in Mitte als möglichen Standort für den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB), der etwa 270 Millionen Euro kosten soll. „Das ist ein Standort, der in Frage kommt“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Mittwochabend im Abgeordnetenhaus, wo sie eine Ausstellung zur historischen Mitte eröffnete.

Ein Hoch auf das gebaute Bild auf der Museumsinsel

Berliner Zeitung vom 13.04.2016 - Kommentar

Ist eine Posaune wirklich die angemessene musikalische Begleitung für ein Richtfest? Sie erinnert doch sehr an den Sturm auf die einstürzenden Mauern von Jericho. Aber gestern war beim Richtfest für die James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel nicht der Tag zum Kritteln. Was soll man auch sagen angesichts des um Jahre verzögerten Bauverlaufs und Baukosten, die von 73 auf mindestens 134 Millionen Euro für nur 4600 Quadratmeter stiegen? Bundesbauministerin Barbara Hendricks versprach zwar Besserung im staatlichen Bauen. Aber wie will sie verhindern, dass auch künftig wegen übergeordneter Konzepte mitten in Schlammgruben hinein gebaut wird?